• 11 Fragen an Rolf Haselhorst

S04-Aufsichtsratswahl: 11 Fragen an Rolf Haselhorst

Stelle Dich bitte kurz in 04 Sätzen vor

Rolf Haselhorst, geboren in Gelsenkirchen, Schalker seit 1971. Da mein Onkel eine Gaststätte an der heutigen Schalker Meile betrieb, bin ich quasi in der Nähe der Glückauf-Kampfbahn „aufgewachsen“. Ich habe unter Tage als Bergmann gearbeitet, Bergbau studiert und war am Ende meiner beruflichen Laufbahn Leiter des Standortmanagements der Standorte der BASF in Europa. Seit Mitte 2020 studiere ich Sportmanagement in St.Gallen und habe eine Abschlussarbeit zum Thema „Markenentwicklung des FC Schalke 04“ (Arbeitstitel: „ Setzt den Fans ein Denkmal“) verfasst.

Wie lange bist du schon Vereinsmitglied und hast du dich bereits in der Vergangenheit im Verein und in der Fanszene engagiert?

In den Verein eingetreten bin ich 2004, als wir in der Familie entschieden unsere lebenslange Verbundenheit zu Schalke 04 durch Mitgliedschaft und Namenszug auf der 1000-Freunde-Mauer zu dokumentieren.
Ich konnte das Management des Vereins immer wieder fachlich unterstützen. Aktuell habe ich einen Kreis von Fachleuten aus der Industrie organisiert, der Schalke 04 bei der Aufstellung eines Nachthaltigkeitskonzeptes (insbesondere soziale und ökologische Maßnahmen) Hilfe bietet. Dies ist erforderlich, da die DFL zukünftig Nachhaltigkeitsmaßnahmen als Voraussetzung der Lizenzerteilung fordert.
Im Rahmen meiner Tätigkeit bei der BASF lernte ich viele Schalker aus dem Raum Ludwigshafen/Mannheim kennen. Um etwas Blau-Weiss in den tristen Arbeitsalltag zu bringen, gründeten wir vor ca. 10 Jahren einen BASF/Schalke-Fanklub („Blau-Weiße Aniliner“), dessen Organisator ich bis Juni letzten Jahres war. Es hat mir viel Spass bereitet monatlich ein Treffen in einer der Kantinen mit Tischfahne und Wimpel zu organisieren und den übrigen BASF-Mitarbeitern (zumeist Anhänger des 1. FC Kaiserslautern) zu zeigen, wie stark auch in der Pfalz Schalke 04 vertreten ist.

Was weißt Du über den SFCV und wie stehst Du zum Fanclubverband?

Der SFCV wurde 1978 gegründet und vertritt heute mehr als 56000 Fan-Club-Mitglieder in 850 Fan-Clubs. Er unterstützt Schalke 04, vertritt die Interessen der organisierten Fan-Clubs, organisiert Fan-Reisen zu Auswärtsspielen, betreibt Anlaufstellen für die Fans z.B. an der Veltins-Arena, vergibt ein Kontingent von Tickets für Heim- und Auswärtsspiele usw.. Der SFCV besitzt einen geschäftsführenden Vorstand, einen Beirat und 23 Fan-Club-Bezirke. Die enge Zusammenarbeit des SFCV mit Schalke 04 wird durch ein Vorstandsmitglied des SFCV im Schalker Aufsichtsrat und einen Vertreter des Vereins im SFCV-Beirat gewährleistet. Gegenüber der DFL und dem DFB vertritt der SFCV die Belange seiner Mitglieder durch eine Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“, die die in der Bundesrepublik organisierten Fußballfans repräsentiert. „Unser Kurve“ hatte z.B. zuletzt medienwirksam klar Stellung gegen die Gründung einer „Super League“ bezogen.
Für mich übernimmt der SFCV eine wichtige Funktion für Schalke 04, da er als Bindeglied zwischen Verein und Fan-Clubs fungiert, das Spieltagserlebnis für Schalke-Fans organisiert und zur Schalker Fan-Kultur beiträgt. Ein starker SFCV ist daher im Sinne des Vereins und sollte meiner Meinung nach entsprechende Unterstützung erhalten.

Der SFCV ist als größte Fanorganisation im AR von Schalke 04 vertreten. Sollte dies so bleiben/geändert werden? Begründe Deine Antwort.

Ich halte es für richtig, dass der SFCV, als mitgliederstärkste Fanorganisation die Belange der Fans im Aufsichtsrat vertritt. Dies ist gelebte Praxis und eine Änderung dieser Vorgehensweise in der jetzigen Situation des Vereins würde zusätzliche Fragestellungen aufwerfen. Wichtig dabei ist, dass der Vertreter des SFCV im Aufsichtsrat die Interessen aller Fancluborganisationen vertritt. Das setzt voraus, dass vor Aufsichtsratssitzungen Meinungen und Stellungnahmen zu grundsätzlichen Themen des Vereins eingeholt werden und damit ein Stimmungsbild der gesamten Fanszene im Aufsichtsrat vertreten wird. Je intensiver dieser Gedankenaustausch stattfindet, um so nachhaltiger kann der Vertreter des SFCV das Meinungsbild der Fans im Aufsichtsrat einbringen.

Wie siehst Du die Zusammenarbeit AR S04/SFCV und welche Synergien können sich ergeben?

Die Aufgaben des Aufsichtsrates umfassen die Bestellung/Abberufung des Vorstandes, die Kontrolle der Vorstände hinsichtlich der Wahrnehmung von Vereinsaufgaben, die Genehmigung des Finanzplans oder der Jahresbudgets des Vereins sowie spezieller Geschäfte des Vorstandes (wie z.B. den Abschluss von Darlehensverträgen). Ich halte es für sehr wichtig, dass auch an diesen Themen und Entscheidungen die Fans und Mitglieder beteiligt werden, was durch den Sitz im Aufsichtsrat sichergestellt wird.
Aus meiner Sicht hat der Aufsichtsrat auch die Aufgabe, die strategische Ausrichtung des Vereins vorzugeben. Also eine Aufgabe die unabhängig vom operativen Geschäft, das der Vorstand führt, die Ausgestaltung der zukünftigen Entwicklung des Vereins umfasst.
Speziell hier ist es meiner Meinung nach von großer Bedeutung, dass Sichtweisen der Fanbasis sowie die Belange der Fans und Mitglieder Berücksichtigung finden.

Warum sollten Dir die Mitglieder im SFCV Vertrauen schenken?

Als Gelsenkirchener Bergmann kenne ich die Stadt und den Verein mit seinen Fans seit über 50 Jahren und kann ihre Gefühlslage speziell in der jetzigen Situation des Vereins sehr gut nachvollziehen. Für viele und auch für mich ist der FC Schalke 04 ein wesentlicher Bestandteil des Lebens.
Hinsichtlich der Tätigkeit als Aufsichtsrat bringe ich Erfahrungen in den Bereichen Personal-, Kostenmanagement und Unternehmensorganisation mit. Mein Verantwortungsbereich umfasste mehrere Großstandorte in Europa, darunter den Standort Ludwigshafen mit 37000 Mitarbeitern. Ich war selbst Aufsichtsratsvorsitzender einiger Unternehmen und weiß wie die Arbeit eines Aufsichtsrates zu gestalten ist. Das Studium in St. Gallen bot mir die Möglichkeit Kompetenzen zur Beurteilung z. B. des Marketings oder Controllings eines Fußballklubs zu erarbeiten und ein umfangreiches Netzwerk im Sport aufzubauen.
In den Vereinsgremien sind mir eine konstruktive und vertrauliche Zusammenarbeit sowie das Anstoßen von Weiterentwicklungen sehr wichtig. Daneben haben für mich die Mitglieder und ihre Belange Priorität, da sie aus meiner Sicht in ihrer Verbundenheit zu Schalke 04, die eigentliche Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal des Vereins darstellen.

Was würdest Du im Falle Deiner Wahl tun, um die Fanszene wieder zu einen?

Es ist meiner Meinung nach von großer Bedeutung in der Fanszene ein einheitliches Auftreten für Schalke 04 herbeizuführen. Es wird immer unterschiedliche Auffassungen zu einzelnen Fragen geben, aber der Austausch dazu und eine Kommunikation miteinander schafft Transparenz sowie gegenseitiges Verständnis. Mit dem Wissen voneinander über Ziele, Aktivitäten oder Standpunkte der einzelnen Fanorganisationen kann die Fanszene noch stärker werden, was aus meiner Sicht sehr wichtig im Sinne des Vereins ist. Dazu würde ich vorschlagen einen Fanbeirat zu gründen, in dem die einzelnen Fanorganisationen vertreten sind und der zur Kommunikation, Diskussion
Erfahrungsaustausch dient. Der Fanbeirat könnte auch als einheitliches Sprachrohr der Fanszene gegenüber dem Verein auftreten, insbesondere bei gemeinsamen Belangen der Fanorganisationen. Darüber hinaus bestände die Möglichkeit in wichtigen Problemstellungen oder Themen des Vereins, die Meinung der Fanszene an das für die Fans in den Aufsichtsrat entsandte Mitglied dieses Gremiums weiterzugeben und dort vertreten zu lassen. Dies wäre für mich ein Schritt in Richtung einer „gelebten“ Mitbestimmung.

Wie siehst Du die zukünftige Rechtsform von Schalke 04?

Im Rahmen meines Studiums habe ich mich intensiv mit den derzeitigen Rechtsformen der Vereine in der 1. und 2. Bundesliga auseinandergesetzt. Sämtliche bestehenden Rechtsformen der Ausgliederungen von Lizenzspielerorganisationen im deutschen Profifussball passen aus meiner Sicht nicht zu Schalke 04. Schalke 04 charakterisiert sich über seine Mitglieder und Anhänger wie kein anderer Verein. Der FC Schalke gehört seinen Mitgliedern zu 100% und das muß auch so bleiben. Eine Einbeziehung von Kapitalgebern durch Ausgliederung verschafft kurzfristiges Kapital ( dessen Investition in die Profimannschaft selten Erfolge garantiert - siehe aktuell Hertha BSC) aber langfristige Abhängigkeiten. Unabhängigkeit ist ein wesentlicher Grundsatz unserer Vereinstradition.

Wo setzt Du Deine Schwerpunkte in Deiner Tätigkeit im Aufsichtsrat?

Aktuell haben natürlich auch im Aufsichtsrat die Themen wie die sportlichen Ausrichtung in der 2. Liga und die wirtschaftliche Konsolidierung Priorität. Sollten mich die Mitglieder in den Aufsichtsrat wählen, würde ich darüber hinaus zu Beginn meiner Amtszeit zwei Schwerpunkte wählen:

  1. Ich halte es für immens wichtig für Schalke 04 kurz-, mittel- und langfristige Ziele einschließlich einer Strategie zur Erreichung dieser Ziele festzulegen. Themen dieser Strategie wären die sportliche Ausrichtung, die wirtschaftliche Entwicklung, die Investitionen in die Infrastruktur/Berger Feld bis hin zur Auswahl der Sponsoren. Wenn wir klar festlegen wo wir in welcher Zeit stehen wollen, können wir den Verein immer wieder danach ausrichten und kostspielige Richtungswechsel vermeiden. Diese klare Orientierung fehlt mir derzeit im Verein. Wichtig ist es dabei die Fans und Mitglieder auf diese „Reise“ mitzunehmenden, Ziele darzulegenden, Zwischenergebnisse zu diskutieren und für alle nachvollziehbar einen Weg zu beschreiten mit dem sich Schalker identifizierten können.
  2. Wir müssen Schalke auch zukunftsfähig machen für die Trends und Entwicklungen der nächsten Jahre. Ich sehe eine Aufgabe darin, die Zukunftstrends Digitalisierung,Nachhaltigkeit und Mitbestimmung im Verein umzusetzen. Im Bereich Nachhaltigkeit haben wir insbesondere soziale Aktivitäten bisher in den Mittelpunkt gestellt. Umweltschutzaspekte müssen verstärkt angegangen werden, da diese auch als Maßstab der Vereinsbewertung und Lizenzierung durch die DFL dienen werden. Am Herzen liegt mir die Mitbestimmung im Verein. Ich denke wir können hier durch Einbeziehung der Mitglieder erreichen, dass deren Verbundenheit zum Schalke 04 noch enger wird, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Situation mit Geisterspielen und dem Abstieg in die 2. Liga. Ansatzpunkte dazu gibt es genug: Warum sollten nicht die Fans vor der Saison Heim- und Auswärtstrikot mit gestalten?

Der FC Schalke 04 steckt in seiner größten Krise seit Jahrzehnten. Wie muss aus Deiner Sicht verfahren werden, um diese Krise zu überstehen?

Die derzeitige Krise unseres Vereins hängt direkt mit der sportlichen Entwicklung, dem Finanzmanagement und den Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie zusammen. Im sportlichen Bereich fehlte Schalke 04 eine eindeutige Spielphilosophie, die für den Verein typisch war. Häufige Trainer- und Managerwechsel hatten zumeist auch eine Änderung der fußballerischen Ausrichtung und enorme Investitionen in Spielertransfers zur Folge. Bei der Auswahl der Spieler wurde gerade in den letzten Jahren großer Wert auf fußballerische Fähigkeiten gelegt, Einstellung und Haltung aber oft als Kriterium vernachlässigt. Schalke 04 stand in seinen erfolgreichsten Jahren für ein klar erkennbares fußballerisches Konzept, ob Schalker Kreisel oder der Ansatz „die Null muß stehen“. Für die Umsetzung einer Spielphilosophie bedarf es nicht nur einer dazu passenden Personalauswahl, sondern auch einer konsequenten Umsetzung, die auch bei zwischenzeitlichen Misserfolgen den eingeschlagenen Weg nicht verläßt. Ich würde dieses Thema und dessen Umsetzung offen mit den Fans kommunizieren und sie an der Mannschaftsentwicklung teilhaben lassen, um Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und Akzeptanz zu erreichen.

Die Knappenschmiede ist einzigartig. Die erfolgreiche Entwicklung von Nachwuchsspielern bis zum Lizenzspieler zeigt das auch aktuell. Im Rahmen eines Konzeptes zur sportlichen Ausrichtung des Vereins sollte dies auch für die Ausbildung des Trainernachwuchses und des Managementpersonals gelten.“Schalker für Schalke“ sollte dann auch bedeuten, dass zukünftig Trainer und Sportmanager aus dem eigenen Verein rekrutiert werden können und für eine Konstanz in der Fußballphilosophie des Vereins sorgen.

Im Finanzbereich muss zukünftig eine Ausrichtung der Ausgaben an den Einnahmen erfolgen. Ein wirtschaftliches Konzept, dass als „Wette auf die Zukunft“ Erlöse aufgrund zukünftig möglicher Erfolge voraussetzt, ist nicht zulässig. Zur Kompensation abstiegs- und coronabedingter Einnahmeausfällen sind aus meiner Sicht Gehaltsbudgets anzupassen und Vereinsstrukturen zu hinterfragen. Der Vorstand hat dies bereits eingeleitet bzw. Änderungen initiiert. Wir müssen jetzt konsequent diesen beschwerlichen Weg weitergehen. Dazu zählen auch Investitionen, wie die Projekte auf dem Berger Feld, die allein daran ausgerichtet werden müssen, allen Mannschaften einen geordneten Spielund Trainingsbetrieb zu ermöglichen. Die Weiterentwicklung von Spielern, basierend auf der Knappenschmiede und einem optimierten Scouting, wird mittelfristig die wesentliche Kompensationsmöglichkeit für bestehende Verbindlichkeiten darstellen. Unabhängig von der Notwendigkeit zusätzliche Einnahmen zu erzielen, halte ich die Entscheidung, die Kartenpreise zur Saison 2021/22 zu reduzieren, für absolut richtig. Dass insbesondere vor dem Hintergrund der finanziellen Folgen der Pandemie für viele Fans und Mitglieder. Schalke muß für alle Schalker erlebbar sein!

Nenn die aus Deiner Sicht wichtigsten Gründe um die Frage „ Wo steht Schalke in 5 Jahren?“ mit „ im internationalen Geschäft“ beantworten zu können.

Voraussetzungen für eine Rückkehr ins internationale Geschäft wären aus meiner Sicht:

  1. eine klare sportliche Spielphilosophie an der Spielertransfers ausgerichtet werden,
  2. Kontinuität in der sportlichen Führung,
  3. Fortsetzung der Investitionen in die Knappenschmiede und
  4. Aufbau eines leistungsfähigen Scoutingsystems.

Im Vergleich zu den bisherigen Abstiegen gleicht die derzeitige Situation dem Ende der Saison 1987/88: Abstieg, keine konkurrenzfähige Mannschaft, finanzielle Zwangslage. Erst durch die Verpflichtung von Rudi Assauer 1993 wurde mit viel Sachverstand die Mannschaft schrittweise verstärkt und 1996 die Teilnahme am UEFA-CUP erreicht, an deren Ende der größte Erfolg der Vereinsgeschichte stand. Die Vorgabe von 5 Jahren halte ich daher für eine große Herausforderung.

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