• 11 Fragen an Holger Brauner

S04-Aufsichtsratswahl: 11 Fragen an Holger Brauner

Stelle Dich bitte kurz in 04 Sätzen vor

Mein Name ist Holger Brauner, ich bin verheiratet, habe zwei Töchter und wohne als bekennender und im Ruhrgebiet verwurzelter Gelsenkirchener mit meiner Familie in meiner Heimatstadt. Schalke ist seit meiner frühen Jugend fester Bestandteil meines „Alltags“. Dabei steht der Fußball zwar im Mittelpunkt, aber das Vereinsleben, das Miteinander und Füreinander sowie die sich daraus ergebene Verantwortung für Menschen, Stadt und Region geht weit über das Sportliche hinaus. Beruflich bin ich tätig bei einer der weltweit größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften und betreue sowohl kapitalmarktorientierte Konzerne als auch große Familienunternehmen verschiedenster Branchen- und Rechtsformen.

Wie lange bist du schon Vereinsmitglied und hast du dich bereits in der Vergangenheit im Verein und der Fanszene engagiert?

1994 bin ich als Mitglied auf Schalke eingetreten. In den letzten 26 Jahren habe ich an fast allen Mitgliederversammlungen und am Vereinsleben aktiv teilgenommen. Schalke war dabei immer eine Herzensangelegenheit für mich. Aufgrund der negativen Entwicklungen in vielen Bereichen des Vereins in den letzten Jahren erfolgte meine erneute Kandidatur im Jahr 2020, wobei die MV aus den bekannten Gründen leider nicht stattgefunden hat.

Daneben bin ich seit fast 20 Jahren Mitglied im Marl-Polsumer Fanclub „Der Mythos lebt“ sowie langjähriges Mitglied beim FC Schalke 04 Supporters Club e.V. Beim SC engagiere ich mich im „Team Schalker Meile“ und versuche, einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass Schalke rund um den Schalker Markt wieder attraktiver liebens- und lebenswerter wird.

Was weißt Du über den SFCV und wie stehst Du zum Fanclubverband?

Als aktiver Schalker kenne ich die Aufgaben, Strukturen und Gremien des SFCV´s. Ich bin der festen Überzeugung, dass es für eine funktionierende Fanszene sehr hilfreich ist, eine gemeinsame Interessenvertretung und zentrale Anlaufstelle für die Fanclubs und deren Mitglieder zu haben.

Der SFCV ist als größte Fanorganisation im AR von Schalke 04 vertreten. Sollte dies so bleiben/geändert werden? Begründe Deine Antwort.

Ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass sämtliche Mitglieder des AR die Interessen der Mitglieder und Fans vertreten sollten, das ist deren Hauptaufgabe. Ob dabei die Mitglieder ihre AR-Vertreter im Wege der „direkten Demokratie“ persönlich auf der MV wählen, oder mittelbar über den SFCV, ist in der Satzung geregelt. Über Änderungen diesbezüglich sollten die Mitglieder entscheiden. Ich persönlich kann beide Varianten nachvollziehen und unterstützen. Wichtig ist, dass die AR-Mitglieder im Sinne der Mitglieder und Fans agieren.

Wie siehst Du die Zusammenarbeit AR S04/SFCV und welche Synergien können sich ergeben?

Sowohl der AR als auch der SFCV vertreten die Interessen der Mitglieder des Vereins. Dies erfolgt zwar in unterschiedlichen Dimensionen und auf Basis anderer Legitimationen, aber grundsätzlich sollte die Zielsetzung in vielen Themenbereichen identisch sein. Daher ist es sicherlich hilfreich und zielführend, wenn sich die beiden Gremien austauschen. Dies sollte auch über die Vertretung des SFCV´s im AR problemlos möglich sein. Dabei muss aber klar berücksichtigen werden, dass der AR das Kontrollorgan für den operativ tätigen und sportlich sowie wirtschaftlich verantwortlichen Vorstand ist. Dem Vorstand obliegt die Führung der operativen Geschäfte des Vereins sowie die Wahrnehmung der Vereinsaufgaben. Demnach sollte die/der Hauptansprechpartner des SFCV der Vorstand sein.

Warum sollten Dir die Schalke 04 Mitglieder im SFCV das Vertrauen schenken?

Mir ist wichtig, dass ich ein Aufsichtsratsmitglied sein möchte, mit dem sich unsere Mitglieder identifizieren können. In den letzten 26 Jahren hatte ich oftmals den Eindruck, dass unsere Aufsichtsräte zwar fachlich und menschlich geeignet waren, aber sehr selten hatte ich das Gefühl, dass es sich auch um "jemanden von uns". handelte. Ich möchte als Aufsichtsratsmitglied meinen Beitrag dazu leisten, dass der Aufsichtsrat wieder mehr als Bindeglied der Mitglieder in der Vereinsarbeit wahrgenommen wird. Um die Interessen der Mitglieder vertreten zu können, muss man wissen, was sie denken und wie sie "ticken". Und dies erfährt man meiner Meinung nach insbesondere auch in der Kurve oder im täglichen Leben in unserer Stadt! Ich nehme mir heraus zu wissen, wie ein Großteil von uns denkt! Empathie ist demnach die Grundvoraussetzung für ein AR-Mandat.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich, wie bei meiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer, meine Aufgaben als Aufsichtsrat absolut unabhängig und unbefangen wahrnehmen würde. Ich würde einzig und allein nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Vereins und unserer Mitglieder agieren und mich dabei von keiner "Interessensgruppe" beeinflussen lassen.

Was würdest Du im Falle Deiner Wahl tun, um die Fanszene wieder zu einen?

Es steht außer Frage, dass dies nur über einen offenen und konstruktiven Dialog erfolgen kann. Ich würde in meiner Funktion als Aufsichtsrat versuchen, dass sämtliche beteiligten Gruppen wieder an einen Tisch kommen und konstruktiv zusammengearbeitet wird. Aufgrund meines persönlichen Netzwerkes rund um den Schalker Markt denke ich, dass ich meinen Beitrag dazu leisten kann.

Wie siehst Du die zukünftige Rechtsform von Schalke 04?

Diskussionen rund um den Themenbereich „Rechtsformwechsel“ sind derzeit weder hilfreich noch zielführend, sondern sorgen nur noch für zusätzliche Unruhe im Verein. Aktuell müssen wir uns darauf konzentrieren, kurzfristig wieder sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu werden und die Existenz unseres Vereins zu sichern. Zukünftig haben wir dann sämtliche Optionen, Schalke auch in einem zunehmend kommerzielleren Umfeld erfolgreich zu positionieren. Dabei gehört es aus meiner Sicht zu den Pflichten der Vereinsgremien, sämtliche Optionen zu prüfen und den Mitgliedern Handlungsoptionen aufzuzeigen. Meine persönliche Einschätzung auf Basis meines jetzigen Kenntnisstands ist, dass der e.V. dabei kein vermeintlicher Wettbewerbsnachteil sein muss. Schalke kann auch als e.V. weiterhin eine sehr attraktive "Marke" und ein verlässlicher Partner für Sponsoren und Geschäftspartner sein.

Wo setzt Du Deinen Schwerpunkt in Deiner Tätigkeit im Aufsichtsrat?

Auf meiner Agenda sehe ich zwei Schwerpunktbereiche:

  • Die ganzheitlich-nachhaltigen strategische Neuausrichtung (sportlich, wirtschaftlich und sozial) inklusive professionelleren Strukturen und Prozessen
  • Weiterentwicklung des Potentials rund um die GAK und den Schalke Markt

Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen sehe ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit im Bereich der wirtschaftlichen Ausrichtung des Vereins. Durch meine langjährige Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer verfüge ich über sehr fundierte Kenntnisse und umfassende Erfahrungen im Bereich der Unternehmenssteuerung und -überwachung. Zu meinen täglichen Aufgaben gehört es, die Arbeitsergebnisse von Geschäftsführern, Vorständen und Aufsichtsgremien kritisch zu hinterfragen, zu beurteilen und beratend tätig zu werden. Unter anderem habe ich umfassende Erfahrungen im Bereich der Implementierung bzw. Prüfung von Prozessen zur Unternehmenssteuerung und - überwachung (z.B. Risikomanagementsysteme und Strategiekonzepte). Meine Erfahrungen aus der Wirtschaft sowie meine Kenntnisse über verschiedenste Unternehmen und Konzerne würde ich sehr gerne in die Vereinsarbeit einfließen lassen.

Den zweiten wesentlichen Schwerpunkt sehe ich im Ausbau und Nutzen des Potentials von „Schalke“ für den Verein, aber insbesondere auch für die Menschen in unserer Stadt und Region. Schalke ist das Aushängeschild, die Visitenkarte und Identifikationspunkt der Menschen in der Region und darüber hinaus. Gemeinsam müssen wir es wieder schaffen, den Mythos weiter zu leben und zu entwickelt. Wenn sich die Menschen wieder mit Schalke identifizieren, wir unsere Werte gemeinsam leben und eine positive Aufbruchstimmung erzeugt wird, können wir dies als Alleinstellungsmerkmal sowohl für die wirtschaftliche Vermarktung des Vereins als auch für die Entwicklung in unserer Stadt nutzen.

Daher möchte ich den Bereich Kommunikation, soziale Verantwortung für Menschen und Stadt, insbesondere auch rund um den Schalker Markt als Schwerpunktthema auf meiner Agenda nehmen.

Der FC Schalke 04 steckt in einer seiner größten Krise seit Jahrzehnten. Wie muss Deiner Meinung nach verfahren werden, um diese Krise zu überstehen?

Wir müssen nun die Fehler der Vergangenheit analysieren, um diese zukünftig zu vermeiden. Gleichzeitig müssen wir als Schalker schnell wieder aufstehen und wieder anfangen zu machen, anstatt zu meckern. Und dazu müssen wir gemeinsam eine von der gesamten Schalker Familie getragene Aufbruchstimmung erzeugen, indem wir mutig und selbstbewusst, aber genauso demütig und bodenständig, einen ganz eigenen Schalker Weg in eine gute Zukunft finden. Unser Verein hat weiterhin enorme Potentiale und eine ungebrochene Strahlkraft. Wir haben weiterhin sämtliche Optionen in unseren Händen, Schalke auch in einem zunehmend kommerzielleren Umfeld erfolgreich zu positionieren. Dazu muss Schalke aber zunächst am Schalker Markt wieder funktionieren und attraktiv werden. Dieses Ziel zu erreichen wird nicht ohne schmerzhafte unternehmerische Einschnitte und Kompromisse möglich sein. Mit viel harter Arbeit, einer ganzheitlich-nachhaltigen Strategie (sportlich, wirtschaftlich und sozial) sowie professionelleren Strukturen und Prozessen werden wir es gemeinsam schaffen.

Nenne die aus Deiner Sicht wichtigsten Gründe um die Frage „Wo steht Schalke in 5 Jahren?“ mit „Im internationalem Geschäft“ beantworten zu können.

Was wir ändern bzw. anpacken müssen, um wieder langfristig sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, habe ich bereits in den vorherigen Fragen ausführlich beantwortet. Mir ist es aber auch wichtig darauf hinzuweisen, dass wir ggf. grundsätzlich unser Anspruchsdenken überdenken sollten. Wir agieren in einem sehr schwierigen sportlichen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld. Für müssen uns realistische Ziele setzen und dürfen nicht zur Erreichung kurzfristiger sportlicher Ziele die Existenz des Vereins gefährden.

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